Halle (Saale)

Informationen über Halle (Saale)

 

Händelstadt, das Rote Herz Deutschlands, Diva in Grau – Halle an der Saale war mir unter vielen Namen bekannt. Die Doppelstadt an der Saale begegnet uns mit vielen Widersprüchen, aber auch ermutigenden Entwicklungen der letzten 20 Jahre.


Die Innenstadt mit ihren alten Gebäuden ist für die 230.000 Einwohner genauso Alltag wie die realsozialistischen Plattenbauten in Halle-Neustadt, der Silberhöhe oder Heide-Nord. Dies ist ein Widerspruch, den die Menschen hier, den die Stadt, die einstmals zur Sozialistischen Musterstadt ausgebaut werden sollte, nach dem Ende der DDR und der Revitalisierung der Altstadt ausleben und aushalten. Genau dies bringt Spannung ins Stadtbild und setzt uns anspruchsvolle Aufgaben für die Stadtentwicklung.

Halle hat eine 1200jährige Tradition - von ihren Anfängen, über wohlhabende Zeiten im Mittelalter, als man als Mitglied Hanse viel Unabhängigkeit erringen konnte, bis in die Zeit der Industrialisierung. Halle wurde Großstadt und stützte als wirtschaftliches Zentrum die Kriegs- und Rüstungswirtschaft der Nationalsozialisten, welche nach deren Zusammenbruch für sozialistische Großproduktionen umfunktioniert wurde. Nach dem Ende der DDR mussten dann gewaltige Beschäftigungsverluste und Strukturwandlungen verkraftet und gestaltet werden. Dies wirkt bis heute nach – im Stadtbild und in vielen Familien.

Wir verstehen uns nunmehr als Wissenschaftsstadt - in Deutschland und Europa. Und das in dem Bewusstsein langer Hochschultraditionen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Historisch mit zwei Standorten „beglückt“, feiern wir zwei Gründungsdaten mit doppelt so vielen Jahresfeiern! 1502 wurde die Leucorea in Wittenberg und 1694 die Friedrichs-Universität in Halle gegründet. Beide wurden 1817 vereinigt. Seit 1933 ist die Hochschule unter dem Namen Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg bekannt. Auch ein Umstand, der zu besonderer Sensibilität im Umgang mit Geschichte herausfordert. Die Leucorea in Wittenberg ist mit der heutigen Universität eng verbunden geblieben.

Namhafte und weltweit bekannte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben hier gearbeitet. Die wenigsten wissen beispielsweise, dass an unserer Universität mit Dorothea Erxleben 1754 die erste Frau an einer deutschen Universität promovierte.

Wer durch Halle fährt, schaut bewundernd auf Franckens Stiftungen, ein beeindruckendes architektonisches Ensemble. Bald ist es wieder vollständig hergestellt. Die Franckeschen Stiftungen stehen nicht nur als Zentrum deutscher Frühaufklärung und Pietismus in historischen Traditionen, sondern auch für die Umsetzung eines Bildungsanspruches, der es Waisenkindern oder Kindern aus ärmsten Verhältnissen ermöglichte, soziale Fesseln beim Lernen abzustreifen.

Mich beeindrucken die sanierten architektonischen Kleinode, die an jeder Stelle der Stadt zu finden sind, ebenso wie die neuen kreativen Standorte, in denen Wissen von Morgen geschöpft wird. Und nicht zuletzt bin ich immer wieder fasziniert, welch verträumt romantische Orte die Saaleufer bieten.

Hallenserinnen und Hallenser zeichnet ein ruppiges Selbstbewusstsein aus. Sie gehen ungeduldig mit ihrer Stadt ins Gericht, wenn ihnen etwas nicht passt. Andererseits sind sie beharrlich dabei, für sich und neue Generationen eine lebenswerte Stadt mit interessanten Perspektiven zu schaffen. Das ist und bleibt spannend für mich. Überzeugen Sie sich!