Dr. Petra Sitte

Forschungs- und technologiepolitische Sprecherin;
Stellvertretende Vorsitzende und Arbeitskreisleiterin



ILA 2008 in Berlin

 

August 2008

 

 

Position: Raumfahrt und geplante Mondlandung

 

 

Fakten:

 

FAKT: Weltweit ist ein neuer Wettlauf in der bemannten Raumfahrt, besonders mit dem Ziel Mond, entfacht. Neben den USA, Russland und Europa wollen auch die aufstrebenden Wirtschaftsnationen China und Indien eigene Weltraumerkundungen starten. Andere Hochtechologienationen wie Japan oder Frankreich streben keine eigenen Programme an.

 

FAKT: Impuls für diesen neuen Wettbewerb im All war die Ankündigung von George W. Bush im Jahr 2004, dass die USA bis 2020 auf dem Mond landen und später von da aus zum Mars fliegen wollen. Barack Obama steht zwar grundsätzlich zur amerikanischen Führungsrolle in der bemannten Raumfahrt, lässt aber derzeit eine Expertenkommission alle Ausgabeposten für die NASA überprüfen und will kürzen. (FAZ 5.8.2009)

 

FAKT: Die europäische Raumfahrtbehörde ESA arbeitet an einem eigenem Programm („Aurora“), das eine bemannte Mondmission für 2023 und eine zum Mars für 2033 anstrebt. Derzeit betragen die Mittel für die bemannte Raumfahrt jährlich nur etwa 13% des Budgets - etwa 480 Mio Euro. 2003 waren es noch 25%. (Quelle: ESA)

 

FAKT: Die Bundesregierung tritt für eine unbemannte deutsche Mondmission samt Landung ein. Die Kosten werden mit 1,5 Millarden Euro in fünf Jahren veranschlagt. Auf der Habenseite werden laut BMWi Impulse bei neuen Technologien, besonders in der Robotik, und damit neue Arbeitsplätze sowie eine Mondstation als Forschungsbasis gesehen. (Quelle: Pressemitteilungen von BM Guttenberg, Schavan und StS Hintze)

 

FAKT: Von den 17 Sektoren der Hightech-Strategie der Bundesregierung dominiert die Raumfahrt alle anderen mit Abstand. In den Jahren 2006 – 2009 wurden von knapp 12 Milliarden Euro für diese 17 Sektoren 3,7 Milliarden für Raumfahrttechnologien ausgegeben. (Quelle: BMBF)

 

FAKT: Der wissenschaftliche Gehalt bemannter Missionen sowie der Eroberung von Mond und Mars ist stark umstritten. Renommierte Stimmen wie die Deutsche Physikalische Gesellschaft oder der Physik-Nobelpreisträger Steven Weinberg haben die bemannte Raumfahrt immer wieder als teures Prestigeprojekt ohne adäquaten wissenschaftlichen Nutzen kritisiert.

 

 

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Position der LINKEN:

 

 

  •  Auch wenn wir die technischen Pionierleistungen des ersten bemannten Weltraumfluges, der ersten Mondlandung sowie die persönlichen Leistungen von Menschen wie Juri Gargarin, Neill Armstrong oder Siegmund Jähn bewundern, muss deren weltpolitischer Rahmen - die ruinöse Systemauseinandersetzung - beachtet werden. Ohne diese wären derartige Geldsummen nicht aufgebracht worden. Das Apolloprogramm verschlang zeitweise 5,5 Prozent des US-amerikanischen Staatshaushaltes.

 

  • Angesichts der gesellschaftlichen Herausforderungen der wie Klimawandel, Ernährung, Infektionskrankheiten, die besonders die armen Regionen der Erde betreffen, muss angesichts begrenzter Mittel für Forschung eine Abwägungsentscheidung getroffen werden. DIE LINKE spricht sich für die Förderung von Raumfahrttechnologien mit klarer Nutzenperspektive für die Gesellschaft, etwa im Umwelt- und Klimaschutz, aus. Diese sind gänzlich unbemannt und bleiben im erdnäheren Orbit wie das Europäische Erdbeobachtungssystem GMES.

 

  • Eine deutsche Teilnahme am durch George Bush entfachten Wettlauf um technologische Aushängeschilder auf Mond oder Mars lässt sich weder wissenschaftlich noch wirtschaftlich begründen. Bei den Milliardenaufträgen an Konzerne wie EADS wird einfach Geld von der öffentlichen in private Kassen gespült.



 

 

12.08.2009 - Gesine Lötzsch

 

 

Peterchens Mondfahrt

 

 

"Staatssekretär Hintze will eine 1,5 Milliarden Euro teure Mondmission starten und kann nicht sagen, woher das Geld kommen soll", so Gesine Lötzsch zu Berichten, dass die Bundesregierung eine neue unbemannte Mondmission plant. Die stellvertretende Vorsitzende und haushaltspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE weiter:

 

"Die Bundesregierung verliert jede haushaltspolitische Glaubwürdigkeit, wenn sie in Anbetracht dramatischer Steuereinbrüche immer neue Milliardenprogramme ankündigt. Dieses Projekt ist aber nicht nur unter finanziellen Gesichtspunkten eine Schnapsidee. Die Bundesregierung hat offensichtlich immer noch nicht verstanden, dass die Probleme der Menschheit nicht auf dem Mond zu lösen sind, sondern auf der Erde."

 





Auf der ILA 2008 in Berlin