Dr. Petra Sitte

Forschungs- und technologiepolitische Sprecherin;
Stellvertretende Vorsitzende und Arbeitskreisleiterin

 

 

 

01.09.2010 – Agnes Alpers

 

 

Gravierende Mängel in der Berufsausbildung

 

 

„Der Ausbildungsreport ist als Hilfeschrei vieler Auszubildender zu verstehen und weist auf gravierende Mängel in der Berufsausbildung hin“, erklärt Agnes Alpers, Sprecherin für Aus- und Weiterbildung der Fraktion DIE LINKE, zum heute veröffentlichten Ausbildungsreport 2010 des DGB. Agnes Alpers weiter:



„Dieser Ausbildungsreport stellt der Berufsausbildung ein schlechtes Zeugnis aus. In vielen Bereichen, etwa im Hotel- und Gaststättenbereich, verdient die Ausbildungsqualität klar die Note mangelhaft: Hier wird hart gearbeitet, und Überstunden sind an der Tagesordnung. Als Auszubildende sind die Jugendlichen gern gesehen, sie übernehmen viele ungeliebte Arbeiten in der Küche, vielfach bis spät in den Abend hinein. Und sie sind billig, denn die Ausbildungsvergütungen in diesem Bereich sind erschreckend gering. Nach der Ausbildung erfolgt dann das böse Erwachen: Die allerwenigsten werden in reguläre Arbeitsverhältnisse übernommen.



Der Hotel- und Gaststättenbereich ist aber nicht der einzige Bereich, in dem es schwerwiegende Probleme gibt. Insgesamt hat jeder zehnte der Befragten schon mal eine Berufsausbildung abgebrochen. Vielfach wird nicht einmal der Jugendarbeitsschutz eingehalten. Die Bundesregierung muss endlich dafür sorgen, dass es hier nicht nur Gesetze, sondern auch wirksame Kontrollen gibt. Und auch die Länder sind aufgerufen, mehr Geld in Bildung zu investieren: Die Bewertung der Berufsschulen wird von Jahr zu Jahr schlechter."

 

 

 


 

 

 

 

31.08.2010 – Agnes Alpers

 

 

 

Stabile Misere auf dem Ausbildungsmarkt

 

 

"Wer heute einen stabilen Ausbildungsmarkt bejubelt, bejubelt vor allem eine stabile Misere", kommentiert Agnes Alpers, Sprecherin für Aus- und Weiterbildung der Fraktion DIE LINKE, die heute von der Bundesagentur für Arbeit veröffentlichten Zahlen zum Ausbildungsmarkt. Agnes Alpers weiter:



"Der Ausbildungsmarkt hat sich von der Krise kaum erholt, die Zukunftsperspektiven der Jugendlichen sind so schlecht wie zuvor. Die Stabilität dieser Chancenlosigkeit ist kein Grund zum Jubeln. Die Zahl der Ausbildungsplätze ist in diesem Jahr nur ganz leicht um gut zwei Prozent gestiegen. Damit gibt es immer noch 4,5 Prozent weniger Ausbildungsplätze als vor zwei Jahren. Die Krise macht dem Ausbildungsmarkt offenbar weiter zu schaffen. Von den 534.605 Bewerbern um einen Ausbildungsplatz konnten die Arbeitsagenturen nur 222.128 in eine Ausbildung vermitteln - das ist eine Quote von gerade mal 42 Prozent.



Trotzdem zählt die Bundesagentur nur 18 Prozent der Bewerber als unversorgt, der Rest - immerhin 215.116 Jugendliche - ist aus der Statistik verschwunden, meist weil die Jugendlichen in Warteschleifen abgeschoben wurden oder ihre Suche aufgegeben haben. Ein Großteil der Jugendlichen meldet sich schon gar nicht mehr bei den Arbeitsagenturen, weil sie sich davon keine Chancen auf eine Ausbildung versprechen. Auch sie tauchen in der offiziellen Statistik nicht auf. Statt statistische Schönfärberei zu betreiben, muss sich die Bundesregierung endlich um die betroffenen Jugendlichen kümmern: Die Betriebe müssen mit einer Umlage in die Pflicht genommen werden, um eine gerechte Finanzierung der Ausbildung zu schaffen.“

 

 

 

 



 

 

 

 

30.08.2010 – Katja Kipping

 

 

 

Generation Chip? Einige Gegenvorschläge.

 

 


Offensichtlich ist es Ziel der Bundesregierung, mit der Diskussion um die Chipkarte von der eigenständigen Bedarfsermittlung für Kinder abzulenken. Zudem besteht die Gefahr, dass die Kinder- und Jugendhilfe sowie der Bildungsbereich weiter privatisiert werden soll (denn wer entscheidet, bei wem die Karten eingelöst werden können?). Die Umsetzung des Urteils auf die Einführung von Chipkarten für Sachleistungen zu reduzieren spricht für eine enorme Ignoranz der Bundesregierung gegenüber dem Sozialstaatsgebot und spielt zudem latent mit Ressentiments gegenüber Erwerbslosen. Sie ist eine billige Lösung für ein billiges Vorurteil. Es gibt wahrlich bessere Wege, um Kindern und Jugendlichen das angedeihen zu lassen, was ihr Recht ist: gute Bildung.


Da wäre zum einen das längere gemeinsame Lernen. Nun ist in Hamburg gerade ein Volksentscheid dazu in die Hosen gegangen ist. Ich finde das bitter, vor allen Dingen, wenn man sich die Beteiligung an dem Entscheid ansieht: jene, deren Kinder am meisten vom längeren gemeinsamen Lernen profitiert hätten, sind in großer Mehrzahl der Abstimmung ferngeblieben. Die Hamburger Eliteeltern haben das Ganze unter sich ausgemacht. Das ändert jedoch nichts an dem wichtigen Anliegen. Kinder haben ganz unterschiedliche Stärken und Schwächen und – dies ist der erste Ansatz – können dem entsprechend auch voneinander profitieren. Nicht nur was das Lernen an sich betrifft, sondern auch sozial.


Wichtig ist weiterhin das wohnortnahe Lernen. Freilich – kommen Kindern aus ganz verschiedenen Stadtgebieten, lässt sich das, was im Rahmen der Schule an sozialer Bindung aufgebaut wird, in der Freizeit schwerlich gemeinsam fortsetzen. Gemeinsames Spielen und Sport treiben sind dann ebenso schwer zu realisieren wie Lernpatenschaften.


Wir streiten als LINKE konsequent für die Ganztagsschule. Dafür müssen wir uns oftmals geharnischte Kritik von konservativer Seite anhören, inklusive des Vorwurfes, keine Achtung vor der ach so heiligen Familie zu haben. Abgesehen davon, dass es die ach so heilige Familie wohl so nie gab, darf auch getrost bezweifelt werden, dass die meisten Eltern tatsächlich etwas dagegen hätten, wenn ihren Kinder etwas länger als bis zum Mittag professionellen Bildungs- und Freizeitangebote zugänglich wären. Jedenfalls würde es die Kinder zumindest dem medial vermittelten Verwertungsdruck der Wirtschaft entziehen, welche die leicht beeinflussbare Psyche der Kinder längst als geniales Marketingziel erkannt haben und sie entsprechend gnadenlos ausnutzen.


Wer sich ernsthaft für gute Bildung einsetzen möchte, der muss sich dem Problem annehmen, dass immer mehr Teile des Bildungsbereiches schleichend privatisiert werden und von den Eltern aus eigener Tasche finanziert werden müssen. Gäbe es wieder die Lern- und Lehrmittelfreiheit, gäbe es ein kostenfreies, gesundes Schulessen für alle oder mehr schulische individuelle Fördermaßnahmen, so würde sich das Problem des Schulanteils in den Hartz-IV-Regelsätzen gar nicht so stellen. Hinzu kommt: Von einem solchen Ausbau der öffentlichen Dienstleistungen würden alle etwas haben, auch die Gering- und Normalverdiener, und der nach unten ausgrenzenden Neiddebatte wäre der Boden entzogen. Gute öffentliche Dienstleistungen sind daher auch hier das Gebot der Stunde.


Dies sind nur einige Dinge, über die es sich gewiss nachzudenken lohnt, statt über die technischen und organisatorischen Feinheiten bei der Einführung eines neuartigen Chipkartensystems zu grübeln.

Katja Kipping, sozialpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag und Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Arbeit und Soziales



linksfraktion.de, 30.08.2010

 

 

 

 

 


 

 

 

 

05.08.2010 – Agnes Alpers

 

 

Es bleibt dabei: Immer noch zu wenig Ausbildungsplätze

 

 

"Wer offene Lehrstellen allein mit den Schulabgängerzahlen vergleicht, betreibt Schönfärberei", kommentiert Agnes Alpers Berichte über 15.000 unbesetzte Ausbildungsplätze im Handwerk. Die Sprecherin für berufliche Aus- und Weiterbildung der Fraktion DIE LINKE weiter:



"Man darf nicht verschweigen, dass über 320.000 Altbewerber immer noch nach einem Ausbildungsplatz suchen und es nach wie vor 1,5 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 29 Jahren gibt, die keinen Berufsabschluss haben. Die 15.000 offenen Stellen im Handwerk sind da nur ein Tropfen auf dem heißen Stein und bestehen beispielweise in Bremen fast zur Hälfte aus reinen Praktikumsplätzen. Das nützt Jugendlichen, die eine Ausbildung wollen, praktisch nichts.



DIE LINKE fordert angesichts dieser Zahlen eine Umlagefinanzierung für mehr Ausbildungsplätze sowie eine qualitativ gute Ausbildung für alle."

 

 

 

 


 

 

 

 

21.05.2010 – Nicole Gohlke

 

 

Tabu-Brecher Koch und Seehofer stoppen

 


„Das Veto der Ministerpräsidenten Koch und Seehofer gegen die BAföG-Anpassung ist nicht nur eine politische Geiselnahme, es ist ein Tabu-Bruch. Damit wird das Signal gegeben, die Kosten der Krise durch Sozialabbau den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, Rentnerinnen und Rentnern, Arbeitslosen, Studierenden und Lernenden aufzubürden“, erklärt Nicole Gohlke. Die hochschulpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE weiter:

 



"Koch und Seehofer missbrauchen die Studierenden als Druckmittel, um finanzielle Zugeständnisse vom Bund zu erwirken. Das ist infam, zumal die BAföG-Erhöhung die Inflationsverluste der letzten Jahre nicht ausgleicht und meilenweit von der Bedarfsdeckung entfernt ist. Sie wollen einen politischen Dammbruch: Wer bei BAföG und Kitas kürzt, stellt den ganzen Sozialstaat infrage. Gerade in der Krise muss der Staat nicht weniger, sondern mehr tun. Das BAföG muss deutlich steigen. DIE LINKE fordert zehn Prozent höhere Fördersätze und Freibeträge. Die Alternative zum Sozialabbau sind höhere Steuern auf Finanztransaktionen und große Vermögen. Hier muss der Bund handeln. Doch auch die Länder stehen in der Pflicht. Sie müssen ebenfalls eine Antikrisenpolitik betreiben, die nicht aus Sparen besteht. Für die Bayern-LB hatte Seehofer schließlich auch über Nacht zehn Milliarden Euro parat."

 

 

 

 

 


 

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Gemeinschaftsschule

 

 

In keinem Industrieland der Welt hängt die Bildung der Kinder so stark vom Bildungsstand und vom Geldbeutel der Eltern ab. Schuld ist das mehrgliedrige Schulsystem. Nirgendwo sonst werden Kinder im Alter von zehn Jahren auf verschiedene Schulformen sortiert. Nur in Deutschland wird so früh über ihre Zukunft entschieden. Die Hälfte der Grundschülerinnen und Grundschüler bekommt keine angemessene Schulempfehlung. In der Regel schicken Lehrerinnen und Lehrer Akademikerkinder aufs Gymnasium. Arbeiterkinder haben bei gleicher Leistung im Durchschnitt zweieinhalbmal weniger Chancen auf eine Gymnasialempfehlung. Besonders betroffen vom selektiven Schulsystem sind Kinder von Migrantinnen und Migranten. Sie werden durch das System benachteiligt und nicht ausreichend gefördert. Behinderte Kinder sind vom allgemeinen Schulsystem vollständig ausgeschlossen und müssen auf die Sonderschule.

Die Folgen der sozialen Auslese sind fatal. Schwächen werden verstärkt, statt ausgeglichen. Das gesamte Bildungsniveau sinkt. Jeder fünfte 15-Jährige kann selbst einfache Texte nicht richtig verstehen. Jeder zehnte Jugendliche verlässt die Schule ohne Abschluss, ohne Aussicht auf einen Ausbildungsplatz und ohne Perspektive fürs Leben. Jede/r zweite Hauptschüler/in bekommt keinen Ausbildungsplatz. Die Mehrheit der Deutschen spricht sich gegen die Aufteilung nach der 4. Klasse und für gemeinsames Lernen bis zur sechsten oder zehnten Klasse aus.



Die Fraktion DIE LINKE lehnt das mehrgliedrige Schulsystem ab und fordert „eine Schule für alle“ bis zur 10. Klasse, die freiwillig zum Abitur weiterführt. Voraussetzung für den Lernerfolg aller Schülerinnen und Schüler – der sogenannten „leistungsstarken“ und der „leistungsschwächeren“ - sind viel kleinere Klassen, der Ausbau zu Ganztagsschulen und mehr sozialpädagogische Betreuung. Die Bildungsausgaben müssen massiv erhöht und mehr Lehrerinnen und Lehrer eingestellt werden.



Alle Erfahrungen belegen: Je länger gemeinsam gelernt wird, desto besser die Ergebnisse aller. In der Grundschule driften die Leistungsergebnisse der Schülerinnen und Schüler nicht so weit auseinander wie nach der Aufteilung in verschiedene Schulformen. Viele Bundesländer wollen dagegen die Haupt- und Realschulen zusammenlegen und die Gymnasien erhalten. Dies ist aus Sicht der die Fraktion DIE LINKE keine Überwindung der sozialen Auslese, sondern zementiert die Zwei-Klassen-Bildung. Solange die Schulformen nicht qualitativ gleichwertig sind, werden die Besserverdienenden ihre Kinder auf die Gymnasien schicken.



Für die Fraktion DIE LINKE ist Bildung ein Menschenrecht. Jede und jeder muss sich umfassend bilden, individuell entwickeln und an der Gesellschaft teilhaben können. Die Fraktion DIE LINKE tritt für das Recht auf gebührenfreie und gute Bildung für alle Kinder und Jugendlichen ein – unabhängig vom Geldbeutel und vom Bildungsstand der Eltern.



Eine gut ausgestattete „Schule für alle“

 

  • beendet die soziale Auslese im Schulsystem,

 

  • kann die Fähigkeiten jedes einzelnen Jugendlichen besser fördern,

 

  • gibt Kindern von Migrantinnen und Migranten bessere Chancen auf gute Bildung,

 

  • ist integrativ, weil sie auch Kinder mit Behinderung einbezieht statt sie „auszusondern“,

 

  • ist leistungsfähiger, weil sie alle stärker macht,

 

  • ist demokratischer, weil sie unabhängig vom Geldbeutel mehr Bildung für alle ermöglicht.



In Berlin hat DIE LINKE in Regierungsverantwortung bereits die Gemeinschaftsschule bis zur zehnten Klasse als freiwilliges Angebot eingeführt.