In Berlin und (H)alle dabei – Jeden dritten Tag

Jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau ermordet. Das Bundeskriminalamt berichtet, dass im Jahr 2016 insgesamt 7.919 Fälle von Vergewaltigungen und sexueller Nötigung zur Anzeige gebracht wurden. Die Tatverdächtigen waren zu 94 Prozent männlich, die Opfer zu 94,1 Prozent weiblich. Am häufigsten tritt Gewalt an Frauen in Form von Stalking, Mord, Totschlag, Vergewaltigung und Nötigung in partnerschaftlichen Beziehungen auf. 2016 gab es in diesem Bereich laut dem Bericht des BKA 133.080 registrierte Opfer. Sie waren zu 81,9 Prozent weiblich und die Tatverdächtigen zu 80,6 Prozent männlich. 15.500 Mädchen sind 2018 in Deutschland von Genitalverstümmelung betroffen.

Das sind krasse Zahlen. Und das sind nur die offiziellen Zahlen. Die Dunkelziffern dürften weit höher liegen. Bei solchen Fakten gruselt es – vor allem aber dann, wenn Männer davon sprechen, dass sie sich von Bewegungen wie #MeToo bedroht fühlen. Gewalt gegen Frauen ist alltäglich und in den verschiedensten Spielarten überall anzutreffen. Männer fühlen sich von der nun offen gelebten Debatte bedroht? Sie sind es nicht, die im Dunkeln schnellen Schrittes und mit äußerster Vorsicht, möglichst nicht alleine den Heimweg antreten. Sie sind es nicht, die in Diskotheken und Bars stets einen Blick auf ihre Gläser haben müssen. Sie sind es nicht, die sich anhören müssen, wie sie sich zu kleiden haben. Sie sind es nicht, die täglich mit lästigen Sprüchen und Blicken, häufig auch unerwünschten Berührungen belästigt werden. Sie sind es nicht, die immer noch am häufigsten in der Werbung wie Frischfleisch oder Objekte präsentiert werden. Sie sind es nicht, denen von Männern vorgeschrieben wird, was sie mit ihren Körpern zu tun und zu lassen haben; Stichwort: § 218 StGB und § 219a StGB, die Pille danach etc.

Die Bedrohung kommt nicht von den Frauen, die sich erneut beziehungsweise immer noch für ihre Rechte und ihren Schutz einsetzen müssen. Sie kommt von jener Seite, die nicht verstehen will, dass Frauen keine Menschen zweiter Klasse sind, keine Objekte, über die verfügt werden kann. So lange wie das nicht klar ist, werden Frauen laut und unbequem gegen jedwede Gewalt und jedes Unrecht eintreten.

Genau das taten vor knapp 60 Jahren drei Schwestern in der Dominikanischen Republik. Die Mirabal-Schwestern organisierten Aktionen gegen den tyrannischen Diktator Trujillo. Sie wurden dafür gefoltert und ermordet. Das geschah am 25. November 1960. Dieses Datum wird seit 2001 jährlich als Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen begangen. Dafür werden weltweit Fahnen gehisst und Aktionen veranstaltet, die an dieses Unrecht erinnern sollen. Auch in Halle wird es wieder ein offizielles Fahnenhissen auf dem Marktplatz geben, allerdings bereits am 23. November.

Doch Fahnen zu hissen reicht nicht. Es müssen politische Veränderungen her, nicht nur beim Thema Gewalt an Frauen, sondern auch beim Thema Sexismus. Die Linksfraktion im Deutschen Bundestag fordert daher einen Rechtsanspruch auf sofortigen Schutz und Hilfe für alle von Gewalt an betroffenen Frauen und Kinder und eine dauerhafte und bedarfsgerechte Sicherstellung der Finanzierung des Schutz- und Hilfesystems.

Es braucht einen Aktionsplan gegen Sexismus, bestehend aus einer geschlechtersensiblen Pädagogik, Frauenquoten, unabhängigen Kontrolle zur Unterbindung sexistischer Werbung, eine Aufwertung sozialer und personenbezogener Dienstleistungen und vieles mehr. Letztere sind beispielsweise Berufe und Tätigkeiten in der Erziehung oder im Gesundheits- und Pflegebereich, die zu einem Großteil von Frauen verrichtet, personell und materiell unterversorgt sind sowie viel zu gering vergütet werden, was zu Altersarmut führen kann.

Darüber hinaus fordert die Linksfraktion die ersatzlose Streichung der Paragraphen 218 und 219 des Strafgesetzbuches. Dafür soll das Angebot freiwilliger Beratungen zum Schwangerschaftsabbruch ausgebaut und Plankrankenhäuser zur Durchführung von Abbrüchen verpflichtet werden, um eine wohnortnahe Versorgung sicherstellen zu können.

Mehr zu den Themen der Linksfraktion findet ihr auf der Homepage unter www.linksfraktion.de. Kämpft mit uns gemeinsam, nicht nur am 25. November, für eine soziale und gerechte Welt ohne Gewalt und Unrecht. Wir zählen auf euch!