Podcast In Berlin und Halle dabei – Freiheit, Gleichheit, Schwesterlichkeit

Hallo und herzlich willkommen zum Podcast In Berlin und Halle dabei.

Kommt es euch auch so vor, dass der Ruf nach Gleichstellung wieder lauter wird? In Zeiten von AfD und Donald Trump nehmen sich auf einmal wieder sehr viele Parteien diesem Thema an. Die einen meinen, sogenannte ‚deutsche‘ Frauen vor den ‚bösen‘ Ausländern schützen zu wollen. Die anderen finden Feminismus und Gender-Mainstreaming machen alles nur schlimmer und die Frau sollte wieder das tun, was sie am besten kann: Kinder kriegen und den Haushalt schmeißen. Und irgendwelche verwirrten Männer behaupten nach wie vor, dass eine Lohnungleichheit berechtigt sei, da Frauen schließlich dümmer und schwächer seien als sie. Das begründen sie gern mit der Größe des Gehirns. Besonders traurig ist es, wenn solche Meinungen von Frauen selbst öffentlich vertreten werden – beispielsweise aus den konservativen und rechten Kreisen.

Müssen wir noch mal ernsthaft aufzeigen, welche Meilensteine Frauen erringen mussten, um endlich als gleichwertig betrachtet zu werden? Offensichtlich. Hier mal ein paar Daten:

1918 haben Frauen in Deutschland das Wahlrecht errungen. Das war erst vor fast 100 Jahren! Zeitgeschichtlich gesehen also gestern. 1953 wurde das Berufsverbot für verheiratete Frauen aufgehoben. Seit 60 Jahren hat der Mann nicht mehr mitzuentscheiden, ob Frauen arbeiten gehen dürfen oder nicht. Erst seit 20 Jahren ist die Vergewaltigung in der Ehe strafbar. Und erst seit letztem Jahr ist endlich der Grundsatz Nein heißt Nein im Sexualstrafrecht verankert.

Nach wie vor verdienen Frauen für die gleiche Arbeit 21 % weniger als Männer. Nach wie vor werden Frauen vermehrt in prekäre Teilzeit gezwungen und ihnen droht damit Altersarmut. Nach wie vor sind Frauen nicht ausreichend in Führungspositionen vertreten. Nach wie vor leiden Frauen unter sexualisierter Gewalt und sexueller Diskriminierung. Gleichstellung? Fehlanzeige. Sahra Wagenknecht machte dies in einer Rede zum Equal Pay Day am 18. März 2016 deutlich:

„Natürlich ist es nach wie vor so, dass vor allem Frauen Familienarbeit leisten müssen. Und das hat eben auch damit zu tun, dass der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz noch lange nicht bedeutet, dass man wirklich einen Volltags-Kita-Platz bekommt, der den ganzen Tag eben auch das Kind versorgt. Das hat auch damit zu tun, dass es nach wie vor viel zu wenig Ganztagsschulen gibt. Und das wissen Sie auch, dass es so ist. Und solange Sie daran nichts ändern, so lange sind eben vor allem Frauen die Benachteiligten, weil in diesem heutigen Arbeitsmarkt eben erwartet wird, dass man Fulltime und am besten auch noch am Abend und am Wochenende zur Verfügung steht.“ (Sahra Wagenknecht, 18. März 2016).

Gleichstellung ist noch lange nicht endgültig in allen Köpfen unserer Gesellschaft angekommen. Darum bleibt es dabei, dass DIE LINKE. im Bundestag für eine Frauenquote von 50 % in allen öffentlichen Ämtern und politischen Mandaten eintritt. Es bleibt dabei, dass sie für den gleichen Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit kämpfen und sich für ausreichend Kita-Plätze und Ganztagsschulen einsetzen wird. Erst wenn kein Mensch mehr wegen seines Geschlechts, seiner ethnischen Herkunft, seiner sexuellen Identität, seines Alters, seiner körperlichen oder geistigen Beeinträchtigung oder seiner Religion und Weltanschauung diskriminiert und benachteiligt wird, erst dann hören diese Kämpfe auf.

Apropos Religion. Artikel 4 des Deutschen Grundgesetzes besagt:

„Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.“

Ein Burka-Verbot ist ein Einschnitt in die Religionsfreiheit und eine verschärfte Unterdrückung der muslimischen Frau. Das haben aber wohl die Gewerkschaften in Hessen gern in Kauf genommen, als sie in ihren Tarifverhandlungen ein Burka-Verbot im öffentlichen Dienst abgenickt haben. Neuerdings werden also Grundrechte beschnitten, um Tariferhöhungen rauszuschlagen. Sind sie dann auch wenigstens konsequent, was religiöse Kleidung angeht? Werden dann auch bitte Kreuzketten verboten? Aber das ist dann bestimmt nicht das Gleiche. Menschen unterschiedlichster Weltanschauungen und Religionen gehören zur kulturellen Vielfalt des Landes. Sie in ihrer Religionsausübung zu behindern, ist ein Einschnitt in ihre Grundrechte.

Ja, die Burka ist ein Symbol für die Unterdrückung der Frau. In manchen islamischen Strömungen (nicht in allen!) ist das Tragen der Burka oder eines Kopftuches in der Öffentlichkeit Pflicht und gehört zur religiösen Ausübung dazu. DIE LINKE. sieht dies aus feministischer Sicht natürlich problematisch. Denn ein Burka-Verbot kommt in diesem Fall einem Hausarrest gleich. Muslimische Frauen dürfen ohne Burka nicht in die Öffentlichkeit und somit auch keinen Beruf ausüben oder am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Das allein ist bereits eine Unterdrückung und Diskriminierung der Frau. Durch ein Verbot wären sie zusätzlich dazu verdammt, in den eigenen vier Wänden zu bleiben. So gelingen Integration und Gleichberechtigung ganz sicher nicht. Aber selbst, wenn Frauen sich freiwillig für einen Schleier, ein Kopftuch oder eine Burka entscheiden, wäre dieses Burka-Verbot ein Einschnitt in ihr Grundrecht auf freie Ausübung der Religion.

Die Unterdrückung der Frau findet aber nicht ausschließlich im Islam statt. Auch das Christentum rühmt sich mit einer glorreichen Geschichte in diesem Bereich – bis heute. Da gibt es aber kaum Empörung. Also hören wir endlich auf damit, Minderheiten in unserer Gesellschaft zu diskriminieren und Ängste zu provozieren, wo keine sein sollten. Bleiben wir mal bei unseren humanistischen Grundwerten. Religion ist Privatsache und sollte von der Gesellschaft respektiert werden. Verbote bewirken das Gegenteil.

Vermutlich werden nach diesem Podcast einige von euch Redebedarf und Fragen haben. Wie passend, das die Themen Gleichstellung und Religion auch im Mai vertreten sein werden. Denn am 6. Mai nimmt Petra im Rahmen der Konferenz junger politischer Frauen im Welcome-Treff in Halle auf dem Podium Platz und stellt sich der Frage, warum Frau-Sein eigentlich politisch ist. Am 27. Mai ist sie auf einem Podium zum Kirchentag in Magdeburg zu erleben und am 20. Mai trefft ihr sie zum Landesparteitag der LINKEN in Sachsen-Anhalt in der Händelhalle in Halle.

Nähere Informationen zu den Veranstaltungen und weitere Termine findet ihr auf Petras Facebookseite, ihrem Twitter-Account und auf ihrer Homepage unter www.petra-sitte.de. Ihr könnt aber auch einfach eine E-Mail an das Wahlkreisbüro in Halle schreiben, unter petra.sitte.wk@bundestag.de oder direkt nach Berlin unter petra.sitte@bundestag.de.

Bis zum nächsten Mal!